Welche Heizleistung muss meine Wärmepumpe wirklich abdecken?

Ein Installateur muss sich bei der Auslegung einer Wärmepumpe an Normanforderungen orientieren — also daran, wie ein Gebäude unter Normbedingungen thermisch reagiert. Die ÖNORM arbeitet dabei bewusst konservativ: Sie setzt sehr tiefe Außentemperaturen, hohe Lüftungsverluste und standardisierte Annahmen an, um sicherzustellen, dass Heizsysteme auch unter Extrembedingungen funktionieren. Bei einem Kesseltausch zu einer Wärmepumpe führt das in der Praxis häufig zu überdimensionierten Geräten, die Mehrkosten von rund 20% verursachen können. Das liegt grossteils daran, dass die Norm zuletzt im Jahr 2015 publiziert wurde und inzwischen stark veraltete Klimadaten aus dem Zeitraum 1981-2000 berücksichtigt. Für die Praxis angemessener wäre daher zumindest die Verwendung von korrigierten Klimadaten (van Egmond-Fröhlich, Wernhart 2025).

Darüber hinaus kann für Bestandsgebäude ein => verbrauchsbasierter Heizlastrechner aktuelle Klimadaten mit der eingesetzten Endenergie (z.B. Gas) kombinieren. So lässt sich das Zusammenspiel aus Gebäudehülle, Nutzerverhalten und lokalen Klimabedingungen automatisch wirklichkeitsgetreu abbilden. Diese realitätsnahe Heizlast kann niedriger sein als die normativ berechnete Auslegungsleistung. Für die Auswahl einer Wärmepumpe bedeutet das: Die Anlage kann kleiner, günstiger und effizienter ausgelegt werden, ohne Komfort oder Sicherheit zu verlieren.

Der Grund: ähnlich wie ein Auto haben auch Wärmepumpen einen Betriebspunkt mit optimaler Effizienz, aber sie können sich an die Heizlast anpassen. Doch selbst morene modulierende Wärmepumpen können ihre Leistung nur bis zu einer Mindestgrenze absenken. Liegt diese Mindestleistung über der tatsächlich benötigten Heizlast, muss die Wärmepumpe abschalten, sobald die Raumtemperatur erreicht ist, und kurz darauf wieder anlaufen. Dieses sogenannte Takten belastet Kompressor und Lager durch häufige Starts und erhöht den Energieverbrauch, weil jeder Anlaufvorgang besonders viel Energie erfordert. Eine effiziente Wärmepumpe läuft hingegen möglichst lange auf dem optimalen Betriebspunkt. Für Lebensdauer und Effizienz ist es daher entscheidend, dass der Leistungsbereich der Wärmepumpe möglichst gut zum erwarteten Lastprofil passt.

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Kleingärten können vom Gasimport unabhängig werden

Wenn wir heute bequemer, länger und gesünder leben als unsere Eltern, dann liegt das daran, dass unzählige Maschinen jeden Tag Arbeit für uns erledigen. Unser Wohlstand benötigt deshalb auch immer mehr Energie. Im Jahr 2024 haben wir laut Energiebilanz der Statistik Austria in Österreich ca 41.000 kWh an Primärenergie pro Kopf eingesetzt. Das ist um ca 30 % mehr als im Jahr 1970. Was wenigen Menschen bewusst sein dürfte: die Importe für Öl und Gas seit 1970 haben sich ungefähr verdoppelt. Gemessen am Bruttoinlandsverbrauch ist die Abhängigkeit von aus dem Ausland importierten Öl und Gas seit 1970 von 42% auf 55% angestiegen! Die importierte Energiemenge Öl und Gas lag im 1970 bei 331PJ (Petajoule) bei einem Bruttoinlandsverbrauch von insgesamt 797PJ. Im Jahr 2024 wurden 737PJ von 1329PJ importiert. Mit anderen Worten importieren wir heute beinahe so viel Öl und Gas wie unsere Eltern im Jahr 1970 insgesamt an Energie verbraucht hatten.

Dekarbonisierungshürden im urbanen Raum

Wenn wir jetzt eine Antwort geben wollen auf Krieg und Klimaverwänderungen, ist es naheliegend, überall dort wo es technisch einfach möglich ist, die Energieversorgung effizienter und unabhängiger zu machen. Neben der Mobilität liegt das größte Potenzial dafür beim Heizen von Gebäuden. Im urbanen Raum ist die besondere Herausforderung, dass die heimische Biomasse keine realistische Alternative bietet. Heizungen in Bestandsgebäuden zu modernisieren ist bis jetzt gesetzlich nicht verpflichtend. Fernwärme ist in Wien verhältnismäßig teuer und Alternativen oft kompliziert. Deshalb führen unterschiedliche Interessen von (Mit-)Eigentümer:innen und Bewohnenden in der Praxis zu oft lähmenden Entscheidungsprozessen bei denen Versorgungssicherheit und Klimaschutz immer wieder aufs Neue mit Investitionskosten, Mieterträgen, Energiekosten und Komfort verhandelt werden müssen.

Einfache Umsetzbarkeit im Kleingarten

Die Situation der rund 35.000 Kleingärtner:innen in Wien wäre grundlegend anders. Eine Studie der Klima- und Innovationsagentur der Stadt Wien zeigt am Beispiel des Kleingartenvereins Kagran, wie Dekarbonisierung im Kleingarten aussehen könnte. Im Unterschied zu den meisten urbanen Bestandgebäuden ist der Ausstieg aus Gas im Kleingarten auch individuell in kurzer Zeit einfach umsetzbar. Eine Rückfrage beim Obmann des KGV Kagran ergab, dass nach einer Informationsveranstaltung die meisten Siedler:innen sich entschieden haben, die großzügigen Förderungsangebote zu nützen und vom Gas unabhängig zu werden und gleichzeitig die eigenen Energiekosten zu verringern.

Billiger als Fernwärme aus 3500 Meter Tiefe in Aspern

Energiewirtschaftlich betrachtet sind Kleingärten „low hanging fruits“. Die gesamten Investitionskosten für eine einzelne Wärmepumpe für 6,5kw liegen beim Endverbraucher in der Größenordnung von 30.000 Euro d.h. 4-5.000 Euro pro kW. Zum Vergleich: das aktuelle Prestigeprojekt von Wien Energie versucht derzeit mit einer Bohrung für Tiefengeothermie in Aspern ca 20.000 kW thermische Leistung bereitzustellen, um Gas für die Fernwärmebereitstellung zu ersetzen. Die Investitionskosten werden auf der Webseite mit 90 Millionen Euro beziffert, was genau 4.500 Euro je kW ergeben würde. Stellt man in Rechnung, dass die Fernwärme in Aspern erst bis zum jeweiligen Verbraucher transportiert werden muss, kann man davon ausgehen, dass 3.000 Luftwärmepumpen am Wärmeabgabestandort wirtschaftlicher und vor allem schneller umzusetzen sind als eine Bohrung in mehr als 3.000 Metern Tiefe. Bei 80% Vollastbetrieb würde Aspern 140.000 kWh Gas ersetzen. Das ist ungefähr so viel wie die in etwa 250 Vereinen organisierten Kleingartensiedlungen Wiens derzeit verbrauchen. Eine Befragung zum Energieverbrauch in der Kleingartengenossenschaft Sommerhaide vom Jänner 2026 hat zum Beispiel ergeben, dass dort derzeit ca zwei Drittel der Haushaltsenergie für die 241 Parzellen aus (importiertem) Gas besteht. Man kann davon ausgehen, dass der jährliche Bedarf von rund 1 GWh Gas innerhalb weniger Wochen ersetzt werden könnte durch Umgebungswärme, Sonnenstrom und dem sanften Brummen von effizienten Wärmepumpen.


Befragungsergebnisse für die KGG Sommerhaidenweg

Im Jänner 2026 hat eine Befragung zum Energieverbrauch bei den 241 Parzellen der Kleingartengenossenschaft Sommerhaidenweg im 19. Bezirk stattgefunden . Die Ergebnisse der Befragung und die damit verbundenen Empfehlungen wurden erstmals am 26. März 2026 im Rahmen einer Informationsveranstaltung (Folienpräsentation) beim Heurigen Wolff präsentiert.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Am Sommerhaidenweg kommen heute mehr als 2/3 der benötigten Haushaltsenergie aus dem Ausland
  • von den befragten ganzjährigen Parzellen haben 85% Prozent Interesse, Energie zu sparen
  • Mehr als die Hälfte der ganzjährig bewohnten Parzellen heizen mit einer Gasheizung
  • eine durchschnittliche Gasheizung verbraucht 100 kWh Gas pro Quadratmeter Bruttofläche .
  • Ein mit einer Wärmepumpe beheiztes Haus benötigt nur 27 kWh Strom pro Quadratmeter
  • Faktisch alle Häuser können Gas mit Umgebungswärme ersetzen, wenn sie eine Wärmepumpe installieren
  • Dekarbonisierung der ganzjährigen Parzellen kann die benötigte Endenergie von 1,6 GWh auf 0,6 GWh senken.
  • Der Effekt reduziert die CO₂-Emissionen von 226 auf 44 Tonnen.

Wirtschaftliche Vorteile:

  • Für ein voll ausgebautes Kleingartenhaus mit 180 m² (80 m² Keller + 2 × 50 m²) betragen die jährlichen Einsparungen etwa 950 Euro.
  • Auf 15 Jahre summieren sich die nominellen Einsparungen auf mehr als 14.000 Euro.
  • Mit aktuellen Förderungen von bis zu 15.500 Euro ist eine Wärmepumpe billiger als ein neues Brennwertgerät.
  • der erwartete Instandsetzungszeitpunkt der Gasheizung und zukünftige Entwicklung der Gaspreise sind wichtig

Empfehlungen (Auszug):

  • Luftwärmepumpen sind die eindeutig einfachste und wirtschaftlichste Lösung (1kWh Strom für 3-5kWh Wärme)
  • Wärmegemeinschaft angrenzender Liegenschaften kann (bei guter Nachbarschaft) eventuell geprüft werden.
  • Autarkie: mit Photovoltaik kann im Kleingarten mehr Strom erzeugt werden, als über das Jahr verbraucht wird
  • die Sommerhaide wird Erneuerbare Energiegemeinschaft !

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